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Aktuelle Krankheiten bei Alpakas und Lamas

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Kategorie: Latest News
geschrieben von: Trah/Kobera
Veröffentlicht am: 05. May 2010 10:11 - 841 Hits

Eine Gesundheitsinformation des Alpaka Zucht Verbandes Deutschland e.V. und des Vereins der Züchter, Halter und  Freunde  von Neuweltkameliden e.V. (Erstveröffentlichung in der Zeitschrift "Lama" Frühjahr 2010 von Dr. Ralph Kobera, Dresden und Dr. Michael Trah, Backnang

In der letzten Zeit wurde vermehrt über eine Zunahme von Erkrankungen in England berichtet, welche durch Mycobacterium bovis, dem Erreger der Rindertuberkulose, hervorgerufen wurden. Dieses Bakterium  führt bei Rindern, dem Menschen und auch anderen  Tierarten (einschließlich Alpakas und Lamas) zu einer schweren, oft tödlich verlaufenden Erkrankung. Deutschland gilt seit 1.1.1997 als anerkannt frei von Rindertuberkulose, was bedeutet, dass 99,8% aller Rinderbestände und 99,9% aller Rinder in Deutschland Rindertuberkulose frei sind.

In England ist die epidemiologische Situation anders als in Deutschland. Dort war es in der Vergangenheit nicht möglich, die Rindertuberkulose zu eliminieren. Einer der möglichen Gründe ist das gehäufte Auftreten von Tuberkulose bei Dachsen. Durch die Haltung von Alpakas auf Weiden, auf denen sich auch Dachse bewegen können, ist es in den letzten Monaten auch zu einer Zunahme der Rindertuberkuloseerkrankungen bei Alpakas gekommen.  Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand in England und Neuseeland geht man davon aus, dass die Ansteckungsgefahr in erster Linie von Wildtieren ausgeht. Es sind allerdings auch Übertragungen des Erregers von Alpaka auf Alpaka bestätigt. Der Erkrankungsverlauf ist dabei aufgrund der Eigenschaften des Rindertuberkuloseerregers sehr unterschiedlich. Dieser Erreger kann zum Entstehen von Knoten in der Lunge (in welchen dieser über längerer Zeit weiter existieren kann) oder auch zum plötzlichen Befall des ganzen Körpers mit Mycobacterien führen. Deshalb können Alpakas plötzlich und schnell erkranken oder auch über längere Zeit unspezifische Symptome wie Abmagerung und Apathie aufweisen oder auch keine deutlichen Symptome anzeigen. Ein weiteres Problem ist, dass derzeit angewandte Tests zum Nachweis der TB (intracutaner Test) nicht sicher genug sind, um eine klare Aussage über den TBC-Status des Tieres treffen zu können.  Weltweit arbeiten Tierärzte  mit Hochdruck an der Entwicklung neuer aussagekräftiger Tests. Im Gegensatz zu vielen anderen Erregern führt eine Erkrankung mit Mycobacterium bovis aber nicht zu einer deutlichen Immunantwort, so dass serologische Tests hier wahrscheinlich nicht zu klaren Aussagen führen.

Aus den Niederlanden wurde in der letzten Zeit auch verstärkt über das sogenannte Q-Fieber berichtet. Diese Erkrankung wird durch den Erreger Coxiella burnetti hervorgerufen und z.B. durch Geburtsflüssigkeiten, Zecken und Wolle übertragen. Bei kleinen Wiederkäuern kommt dieser Erreger häufig als Mischinfektion mit Chlamydien vor. Er  kann beim Menschen zu Erkrankungen mit grippeähnlichen Symptomen führen. Auch Lungenentzündungen und Herzmuskelentzündungen können auftreten. Bei dieser Erkrankung sind besonders Menschen gefährdet, welche einen engen Tierkontakt haben. In den Niederlanden erkrankten seit 2008 besonders Ziegen am Q-Fieber. Eine mögliche Erklärung für die Zunahme dieser Fälle sind verbesserte diagnostische Möglichkeiten und damit der häufigere Nachweis einer Q-Fieber-Erkrankung. Auch in Deutschland tritt diese Erkrankung ab und zu auf. Im Jahr 2008 gab es bis zur 45. Woche 336 Erkrankungsfälle beim Menschen (Quelle: RKI, Epidemiologische Bulletin). Eine besonders große Infektionsgefahr geht von infizierten Schafen während der Geburt aus. Im Jahr 2005 kam es zu einer vermehrten Erkrankungshäufigkeit bei Menschen im Raum Jena, was mit dem Problem in einer Schafherde in Verbindung gebracht wurde. Impfstoffe dürfen bei kleinen Wiederkäuern nur mit Ausnahmegenehmigung eingesetzt werden. Es ist nicht einfach, diese Erkrankungen in infizierten Beständen zu eliminieren.

Aus diesem Grunde ist es viel wichtiger, mögliche Erkrankungen im Bestand gar nicht erst zu zulassen. Um dies zu erreichen gibt es mehrere  Möglichkeiten, welche, wenn sie bewusst angewandt werden, den Gesundheitsstatus ihrer Tiere erhalten können:

  1. Kennen und Überprüfen Sie regelmäßig den Gesundheitsstatus Ihrer eigenen Herde
  2. Kontrollieren Sie so häufig es geht, den Body-Score ihrer Tiere und versuchen Sie plötzlich festgestellte Abmagerungen bei Tieren abzuklären
  3. Lassen Sie nach Möglichkeit jedes verstorbene Tier zur Abklärung der Todesursache pathologisch untersuchen
  4. Vermeiden Sie unnötigen Einsatz von Antibiotika, auch wenn Cameliden die meisten Antibiotika relativ gut vertragen. Sie schaffen mit deren ungerechtfertigtem Einsatz eventuell gefährliche Resistenzen bei Erregern
  5. Gehen Sie nur mit Tieren zu Show`s oder zum Decken, von denen Sie sicher sind, dass sie gesund sind und keine ansteckende Erkrankungen verbreiten können
  6. Stellen Sie Fremdtiere (z.B. Stuten zum decken) nicht mit anderen fremden Tieren zusammen. Sie kennen den Gesundheitsstatus der fremden Tiere nicht und man sollte immer Tiere mit dem gleichen Gesundheitsstatus zusammen halten
  7. Halten Sie bei zugekauften Tieren eine strikte Quarantäne ein (umso länger desto besser). Es sollte ein absolutes Minimum von 6 Wochen eingehalten werden, wobei die derzeitigen Empfehlungen aus England hinsichtlich z.B. Tuberkulose bis zu einem Jahr oder sogar länger lauten. Machen Sie diese Entscheidung davon abhängig, woher Sie ihre Tiere kaufen. Erkundigen Sie sich im Vorfeld über aufgetretene Erkrankungen im Bestand, aber bedenken Sie auch, dass kein Verkäufer Ihnen eine definitive Gesundheitsgarantie geben kann.
  8. Reden Sie lieber zweimal zu viel als einmal zu wenig mit Ihrem Tierarzt und auch Amtstierarzt, denn diese können die epidemiologische Situation in Ihrer Gegend am besten einschätzen und  können somit helfen, dass unsere Tiere gesund bleiben aber auch, dass wir uns weiter an ihnen erfreuen können.
 
Quellen:   
Tuberkulose: BAS Roadshow am 13.2.10 in Cambridge
Q-Fieber: Fachtierarztkurs ; Klaus Henning; Gereon Scharee; Per Zemke; Reinhard Sting; Jena 2009

 


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